Jersey (Teil 1)

Ein Bericht von Peter Berlinghof

Jersey 01 | © Peter Berlinghof

Ein Besitz der englischen Krone vor der französischen Küste (Teil 1)

Jersey ist eine der Kanalinseln in der Bucht von Saint-Malo, etwa 25 km vor der Westküste der nordfranzösischen Halbinsel Cotentin. Wir hatten letztes Jahr Gelegenheit, eine Woche auf dieser kleinen
Insel zu verbringen, die von Norden nach Süden 8 km und in ost-westlicher Richtung 14,5 km misst.       

Landschaftlich erinnert Jersey an die nahegelegene Bretagne, jedoch sind die politischen und sprachlichen Gegebenheiten völlig anders. Die Insel ist die größte und bevölkerungsreichste der fünf Kanalinseln, zu denen noch die Inseln Sark, Guernsey, Alderney und Herm gehören. Die Kanalinseln sind geologisch gesehen Gipfelreste eines Gebirges aus dem Erdaltertum, die erst mit dem Anstieg des Meeresspiegels nach der letzten Eiszeit zu Inseln wurden. Davor waren die Inseln Teil des kontinentalen Festlands und bereits früh besiedelt. Im Verlauf der Jungsteinzeit wurden dort zahlreiche Megalithanlagen erbaut.

Als Rest des historischen Herzogtums Normandie, dessen Festlandsgebiet heute zu Frankreich gehört, sind die Kanalinseln kein Teil des Vereinigten Königreichs, sondern direkt als Kronbesitz (crown dependency) der
britischen Krone in ihrer Funktion als Herzöge der Normandie unterstellt. Dies geht zurück auf Wilhelm den Eroberer, der Herzog der Normandie war, im Jahr 1066 England eroberte und anschließend englischer König
wurde. Politisch sind die Kanalinseln heute in die Amtsbezirke von Guernsey und Jersey unterteilt, die jeweils eigene Parlamente, die States, haben.

Als Untertanen des Herzogs der Normandie sprachen die Bewohner der Kanalinseln früher ein mittelalterliches Französisch. Heute ist Englisch die Umgangssprache, auch wenn auf einzelnen Inseln immer noch regionale, auf dem mittelalterlichen Französisch beruhende Dialekte wie das Jèrriais auf Jersey gesprochen werden. Der überwiegende Teil der Orts- und Flurbezeichnungen sowie zahlreiche Familiennamen sind französisch oder französischen Ursprungs, werden aber oft englisch ausgesprochen.

Jersey ist wie die anderen Kanalinseln nicht Teil der Europäischen Union, wird aber in Handels- und Zollfragen grundsätzlich wie ein Teil der EU behandelt. Wichtigster Wirtschaftszweig der Insel ist der Finanzsektor, der
vor allem von den niedrigen Steuersätzen für ausländische Kapitalanleger profitiert. Die Insel hat im Übrigen eine eigene Währung: Das Jersey-Pfund-Sterling (JEP) ist angelehnt an das britische Pfund, das ebenfalls akzeptiert wird. Die Landwirtschaft trägt zwar nur wenig zur Bruttowertschöpfung bei, prägt aber nach wie vor das Erscheinungsbild der Insel, da mehr als die Hälfte der Inselfläche agrarisch genutzt wird. Die hauptsächlichen landwirtschaftlichen Aktivitäten sind der exportorientierte Kartoffelanbau (vor allem die Sorte Jersey Royals) und die Milchwirtschaft, die auf einer eigenen Rinderrasse, dem Jersey-Rind, basiert.

Aufgrund des milden Klimas, bedingt durch den Golfstrom, ist auch Mittelmeervegetation weit verbreitet. An einem Teil der Küsten, vor allem im Norden der Insel, findet man steil abfallende Klippen, die mit Ginster,
Farnen sowie niedrigen Sträuchern und Kräutern bewachsen sind. Von diesen Klippen reicht der Blick bis zur Nachbarinsel Guernsey (5. Bild) und zur französischen Küste (6. Bild). Das erste Bild zeigt die beliebte Badebucht Grève de Lecq im Nordwesten von Jersey.

Unterwegs in der Inselhauptstadt Saint Helier, Einkauf in der Markthalle und im Fischmarkt von Saint Helier – Das Denkmal auf dem letzten Bild zeigt die Skulptur The Good Toad (Lé Bouân Crapaud – die gute Kröte). Die Kröte auf der Spitze der Säule ist eine „Jersey crapaud”. An der Stelle, an der das Denkmal steht, war bis zum späten 15. Jahrhundert das westliche Ende der Stadt, dahinter breitete sich Marschland aus und beherbergte zahlreiche Krötenkolonien. Aus diesem Grund werden die Bewohner Jerseys umgangssprachlich „Crapauds” (Kröten) genannt.

Blick vom Fort Regent über eines der Hafenbecken von Saint Helier zur Bucht von Saint Aubin, in der dicht bei Saint Helier das Fort Elizabeth liegt.

Liberty Wharf ist ein überdachtes Einkaufszentrum am Liberation Square mit dem berühmten Denkmal, das die Befreiung von Jersey von der deutschen Besatzung darstellt. Liberty Wharf ist ein ehemaliger Schlachthof, der neu gestaltet und umfunktioniert wurde. Hier befindet sich auch die Hauptstation des Busverkehrs. Alle Inselteile sind seit 2013 durch 24 Buslinien der „LibertyBus“ zu erreichen. Eine Tageskarte für alle Linien kostet lediglich £ 8.

Elizabeth Castle liegt vor der Hafeneinfahrt von Saint Helier. Es ist eine ab dem 16. Jahrhundert erbaute Inselfestung mit einer Größe von etwa 24 Hektar auf einer Gezeiteninsel, die bis 1923 genutzt und während der deutschen Besetzung Jerseys 1940–1945 nochmals befestigt wurde.

Vor Elizabeth Castle schützt ein Wellenbrecher die Hafeneinfahrt. Auf dem sich dort erhebenden Felsen soll Saint Helier, der Schutzheilige von Jersey, als Einsiedler gelebt haben.